Ein Großteil der Vorstellungen beim Kinderarzt erfolgt aufgrund von Fieber. Die Infektiologie ist und bleibt eine Domäne der Kinderheilkunde. Grund genug, sich immer wieder aufs Neue damit zu beschäftigen. Zu der im Mai 2025 veröffentlichten S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen gehört erstmalig auch eine Elternleitlinie zum Umgang mit Fieber, deren Lektüre ich jedem/r ans Herz legen möchte:
In knapper und verständlicher Form wird erklärt, ab wann wir eigentlich von Fieber sprechen, wie es richtig gemessen wird, was dabei im Körper passiert, welche Warnzeichen bei Fieber im Kindesalter zu beachten sind und vieles mehr. Nachwievor bleibt Fieber – insbesondere bei jüngeren Säuglingen und sehr krank wirkenden Kindern !!! – ein guter Grund, sein Kind kinderärztlich untersuchen zu lassen.
Die Leitlinie ist aber auch deswegen so besonders, weil sie Fieber „nicht mehr vorrangig als behandlungsbedürftiges Symptom betrachtet, sondern als physiologische und in der Regel hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers“. [Prof. Tim Niehus, Leitlinienbeauftragter DGKJ im Deutschen Ärzteblatt, 04.08.25]
Es geht dabei um unser Grundverständnis von Fieber und den Abbau von Fieberängsten. Erläutert werden dazu die verschiedenen Fieberphasen, wie sie zu lesen sind und welche Reaktionen darauf hilfreich sind. Nicht die Höhe der Körpertemperatur ist entscheidend, sondern die Ursache des Fiebers.
Beantwortet wird u.a. auch die scheinbar banale Frage: Soll ich das Fieber nun eigentlich senken oder nicht ? – In der Leitlinie besteht zu 100% Konsens: Bei zuvor gesunden Kindern und Jugendlichen gibt es keinen Grund, Fieber ab einer bestimmten Temperatur zwingend zu senken, da es normalerweise selbstlimitierend ist. Der Einsatz fiebersenkender Medikamente dient vielmehr der Schmerzlinderung und dem Wohlbefinden.
Fieber wird vom menschlichen Körper aktiv herbeigeführt. Es kommt zu einer vorübergehenden Sollwertverstellung der Körpertemperatur, indem bestimmte Botenstoffe die Produktion von Prostaglandin E2 im Hypothalamus, einer entwicklungsgeschichtlich uralten Zwischenhirnregion, anregen. Der Körper produziert daraufhin selber Wärme, um sich gegen Infektionserreger zu wehren. Fieber wurde über die gesamte Evolution hindurch erhalten und bietet entsprechend einen Überlebensvorteil, indem es die körpereigene Immunantwort verstärkt und die Ausbreitung von Infektionserregern im Körper hemmt.
Fieber im Kindesalter ist – ein uraltes, nachwievor hochspannendes Phänomen, das immernoch soviele ungeklärte Fragen für uns bereithält und jetzt eine gelungene neue Leitlinie.
Ihr Dr. Guido Hein, 2025

