Im Einkaufwagen stapeln sich die Tiefkühlpizzen und Mikrowellenfertiggerichte, gleich daneben Chips, Snacks und ein paar Soft- und Energy-Drinks noch dazu. Schon auf dem Frühstücktisch landen klebrigsüsse Frühstückscerealien, Fertigfruchtjoghurts, industrielle Wurst- und Backwaren.  In Deutschland stammen inzwischen etwa 50 % der täglichen Energieaufnahme aus hochverarbeiteten Lebensmitteln (ultra-processed foods: UPF).

Typische UPF enthalten viel freien Zucker, gesättigte Fette, Salz und diverse Zusätze wie Farbstoffe, Emulgatoren, Geschmacksverstärker, modifizierte Stärke und vieles mehr; haben eine hohe Energiedichte, aber einen geringen Nährwert und liefern wenig Ballast- und Mikronährstoffe.

Menschen, die viele hochverarbeitete Lebensmittel konsumieren, haben nachweislich ein höheres Risiko für u.a. Übergewicht, Bluthochdruck, Typ 2-Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (15. DGE-Ernährungsbericht, 20.11.24).

Was aber geschieht noch, insbesondere bei jungen, in besonders sensiblen Wachstumsphasen befindlichen Kindern, wenn sie von klein auf viele hochverarbeitete Lebensmittel essen ?

Eine kanadische Kohortenstudie hat jetzt festgestellt, daß bereits bei dreijährigen Kindern 45,5% der aufgenommenen Nahrung aus UPF besteht. Und: Je höher der Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel (UPF) im Alter von drei Jahren, desto ausgeprägter sind emotionale und Verhaltensauffälligkeiten (u.a. Aggressivität, Hyperaktivität) zwei Jahre später.

(Kavanagh M. et al. (3/2026): Ultraprocessed Food Consumption and behavioral Outcomes in Canadian Children. JAMA Network open, Vol. 9, No. 3)

Bereits eine britische Analyse hatte zuvor gezeigt, dass eine stärker ausgeprägte Junkfood-Ernährung im Alter von viereinhalb Jahren mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Hyperaktivität im Alter von sieben Jahren einhergeht.

Noch ist nicht abschließend geklärt, warum das so ist. Die Ergebnisse aber sind alarmierend: Ein hoher Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel kann nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch die emotionale und soziale Entwicklung beeinträchtigen. UPF machen dick und vielleicht sogar verhaltensauffällig.

(Frühkindliche) Ernährung ist ein selbst beeinflussbarer Faktor. Das gilt für zuhause genauso wie auch für Kindertageseinrichtungen. Insbesondere bei noch kleinen Kindern können Eltern mit dem Einkauf darauf Einfluss nehmen, was zuhause an Lebensmitteln verfügbar ist. Und natürlich – versuchen, Vorbild zu sein.

Ihr Guido Hein, 2026