In unserer Praxis für Kinder- und Jugendmedizin geht es immer sehr bunt und wuselig zu. Kinder jeden Alters, von Geburt an bereits kleine Persönlichkeiten mit diversen Eigenheiten, Talenten und Entwicklungsvarianten, aus unterschiedlichsten Elternhäusern und mit mancherlei Familiengeschichten und Bindungserfahrungen, tagtäglich eine bunte Vielfalt an Menschen, Symptomen und Fragestellungen. Wunderbar ist das. Und kein Tag wie der andere.
Sorgen bereitet es mir, dass Kinder je nach familiärem Hintergrund nicht alle die gleichen Chancen haben, gesund aufzuwachsen. Kinder haben nicht die Wahl und können nichts dafür, in welche Familie sie hineingeboren werden.Aber jedes Kind hat dieselben Rechte, unabhängig von seiner Herkunft. Und alle haben sie das Recht auf ein größtmögliches Maß an Gesundheit [nach: Art. 2 + 24 (1) der UN-Kinderrechtskonvention].
Kinder, deren familiäre Wurzeln in fernen Ländern liegen, habe ich immer schon als große Bereicherung empfunden. Für mich, unser Miteinander und unsere Gesellschaft. Und immer noch freue ich mich sehr darüber, wenn es einer Familie mit Fluchterfahrung, die ich hier als Kinderarzt ein kleines Stück weit begleiten durfte, nach und nach gelingt, gut zurecht zu kommen und mit ihren Kindern eine neue Heimat zu finden.
Daher reagiere ich mit großem Widerwillen und verständnislos, wenn sich in meiner Heimat eine Jugendorganisation „Generation Deutschland“ nennt, rassistisch motivierte und rechtsnationale Angstnarrative verbreitet und zunehmend offen und unverhohlen die „Remigration“ meiner Mitmenschen fordert.
Kinder haben nicht die Wahl. Daher sind wir in der Verantwortung. Auf unsere Haltung kommt es an. Sorgen wir dafür, dass alle Kinder, und nicht nur die eigenen, sich sicher fühlen, gesund aufwachsen und zuversichtlich bleiben.
Kinder haben nicht die Wahl. Auf unsere Stimme kommt es an, am nächsten Wahltag genauso wie an jedem anderen Tag.
Ihr Dr. med. Guido Hein, 2026

